Ballastststoffe sind für die Darmgesundheit grundsätzlich notwendig. Sie helfen bei Durchfall und Verstopfung, stabilisieren und ernähren die Darmschleimhaut und unterstützen das Mikrobiom. In den meisten „Alleinfuttermitteln“ sind zu wenig, die falschen oder unausgewogen Ballaststoffe enthalten.
WARUM HERKÖMMLICHES ALLEINFUTTER IN DER BALLASTSTOFF-FRAGE OFT VERSAGT
In den meisten Alleinfuttermitteln wird günstige Zellulose aus der Zuckerproduktion verwendet. Sie findet sich dann als „Rübentrockenschnitzel“ – die wenigstens entzuckert und so deklariert sein sollten – im Futter. Lösliche und unlösliche Ballaststoffe sind aber weit mehr als billige Zellulose und oft wirkt der gleiche Ballaststoff bei jedem Hund anders. Beim einen Hund wirkt er entlastend, beim nächsten kann er Bauchgeräusche oder eine Verschlechterung des allgemeinen Zustands bewirken.
NICHT ALLE BALLASTSTOFFE SIND GLEICH: EIN LEITFADEN DURCH DEN FASERDSCHUNGEL
Ballaststoffe unterscheiden sich in lösliche und unlösliche, oder in fermentierbare und nicht fermentierbare. Lösliche Fasern nehmen im Darm Wasser auf und lösen sich dabei auf, sie verbessern die Resorption von Nährstoffen, verlangsamen die Verdauung und bilden eine gelartige Konsistenz, die die Darmschleimhaut schont. Unlösliche Ballaststoffe erhöhen die Kotmenge, die Darmperistaltik wird angeregt. Der Darm kommt in Bewegung und transportiert den Nahrungsbrei zügig weiter. Durch die kürzere Verweildauer im Dickdarm haben die schlechten Bakterien dort weniger Zugriff auf die für sie wichtige Nahrungsquelle. Denn das Mikrobiom im Dickdarm ernährt sich von Ballaststoffen, fermentiert sie bei löslichen Fasern, wobei Fettsäuren entstehen, die den Darmschleimhautzellen als Energie dienen.
FERMENTIERBAR VS. NICHT FERMENTIERBAR: WARUM DAS FÜR PRÄBIOTIKA ENTSCHEIDEND IST
Der Unterschied von fermentierbaren und nicht fermentierbaren Fasern ist für die Nahrungsergänzung als Präbiotika von Bedeutung. Bei der Fermentation werden die Ballaststoffe durch Bakterien in kurzkettige Fettsäuren umgewandelt, die wichtigste davon ist Buttersäure.
Der sinnvolle und richtige Einsatz von Ballaststoffen als Präbiotika, ist für die Darmgesundheit also unerlässlich.
DIE STARS UNTER DEN BALLASTSTOFFEN: DIESE PRÄBIOTIKA STÄRKEN DAS MIKROBIOM
Folgende Ballaststoffe sollten in einer ausgewogenen Hundenahrung enthalten sein:
Pektin als löslicher, fermentierbarer Ballaststoff in Äpfeln, Birnen und Möhren. Als Pulver wird es vollstängig fermentiert, in Obst und Gemüse weitgehend. Pektin wird im Dickdarm zu Essigsäure umgewandelt.
Inulin als löslicher, fermentierbarer Ballaststoff. Er findet sich in Topinambur, Chicorée und Artischocken. Auch Inulin ist als Pulver erhältlich.
Psyllium (Flohsamenschalen) enthalten lösliche und unlösliche Ballaststoffe. Erste Hilfe bei Durchfall und Verstopfung. Sie sind außerdem schleimbildend, sodass sie in angemessener Menge auch als Schleimhautschutz eingesetzt werden.
Oligosaccharide als lösliche, fermentierbare Ballaststoffe sind Bestandteile von Pflanzenfasern z.B. auch unververdauliche Bestandteile von Hefezellwänden. Sie wirken sich positiv auf die Vermehrung von wichtigen Bifidobakterien im Dickdarm aus.
Resistente Stärke aus Körnern, Samen, Kartoffeln, Reis und auch Nudeln ist ebenfalls einen wichtiger Ballaststoff. Sie zählt zu den unlöslichen aber fermentierbaren Ballaststoffen. Normalerweise wird Stärke im Dünndarm verdaut und resorbiert. Wird sie aber aufgrund ihrer Struktur („resistent“ gegen enzymatische Verdauung im Dünndarm) nicht im Dünndarm verdaut, wandert sie weiter in den Dickdarm, wo sie fermentiert und ebenfalls in wichtige Buttersäure umgewandelt wird und einen schleimhautprotektiven Effekt hat.
VORSICHT FÜLLSTOFF! DIESE BALLASTSTOFFE HABEN KEINEN PRÄBIOTISCHEN NUTZEN
Unlösliche Ballaststoffe werden im Futter meist, wie weiter oben genannt, als Zellulose von Rübenschnitzeln hinzugefügt. Zellulose aus Rübentrockenschnitzeln ist ein guter Sattmacher und für die Futtermittelindustrie vermutlich günstig erhältlich, ist es doch ein Abfallprodukt aus der Zuckerherstellung. Zellulose wird im Dickdarm nicht fermentiert, hat somit keinen positiven Effekt auf die Darmgesundheit. Sie trägt lediglich durch ihre Quellfähigkeit zur Regulierung der Kotkonsistenz bei. Ein weiterer unlöslicher Ballaststoff ist Lignin, ebenfalls eine Pflanzenfaser, die die Verholzung fördert. Auch Lignin ist ein reiner Quellstoff, der auf die Kotkonsitenz einwirkt. Es ist wie Zellulose kein Präbiotika. Lignin wird auch häufig als Ballaststoff im Fertigfutter eingesetzt.
Ballaststoffe als Präbitotika (also Futter für das Mikrobiom) dürfen in der Fütterung nicht fehlen. Die „guten“ Darmbakterien ernähren sich davon und wandeln sie in wichtige Fettsäuren um, die die Darmschleimhaut gesunderhalten. Werden sie nicht gefüttert, entsteht eine Dysbiose im Darm zugunsten krankmachender Bakterien. Diese brauchen nämlich keine Ballaststoffe. Die freuen sich über Proteine und Fette, die der Dünndarm nicht verdauen konnte. Blähungen, erhöhte Darmperistaltik und schädliche Postbiotika entstehen.
DIE RICHTIGE BALANCE FINDEN: DOSIERUNG, EINFÜHRUNG & GEFAHREN
Die richtige Menge der Ballaststoffe hängt an einigen Faktoren. Sie sollten immer langsam eingeführt werden, damit sich der Darm daran gewöhnen kann. Ein guter Indikator für die richtige Menge Ballaststoffe ist immer die Kotkonsistenz. Wird der Kot zu weich, ist die Dosierung zu hoch. Ist der Kot in der Menge und Absatz zu hoch, ist ebenfalls die Dosierung zu hoch. Eine große Menge an wasserlöslichen Ballaststoffen, die eine gelartige Beschaffenheit erzeugen, kann auch dazu führen, dass der Nahrungsbrei den Dünndarm zu schnell passiert. Das kann dazu führen, dass Nährstoffe nicht genügend aufgenommen werden und Nahrung zum Teil unverdaut ausgeschieden wird. Auch nach einer erfolgreichen Einführung und Adaption sollte die bedarfsgerechte Fütterung von Ballaststoffen nicht überschritten werden. Durch Überfütterung und somit erzwungener Fermentationsvorgänge im Dickdarm kann es zur einer Dickdarmacidose und damit sogar einer Schädigung der Darmschleimhaut mit allen Folgen kommen. Das ist dann häufig der Fall, wenn jahrelang Futtermittel mit hohem Stärkeanteil gefüttert werden.
